Was wir vielleicht nie gelernt haben – aber jederzeit nachholen können
Das Problem ist, dass die meisten von uns nie gelernt haben, sich gegenüber sogenannten „Autoritäten“ zu behaupten, weder in der eigenen Familie, noch im Kindergarten, der Schule, während der Ausbildung oder im Beruf.
Deshalb ist es für junge Eltern mit „impfpflichtigen“ Kindern auch nicht getan, sich irgendwo rechtliche Tipps zu holen oder sich mit Tricks „durchzumogeln“. Das mag in vielen Fällen früher funktioniert haben, aber spätestens seit der Corona-Krise und im Zusammenhang mit der Quasi-Impfpflicht gegen Masern herrscht trotz Grundgesetz und demokratischem Anspruch die reine Willkür von Behörden und Gerichten. Dadurch sind wir zunehmend gezwungen, uns „Autoritätspersonen“ zu stellen, zu uns und unseren Werten zu stehen und übergriffiges Verhalten abzuwehren.
Dies ist jedoch, wenn nie geübt, leichter gesagt, als getan. Es ist deshalb von entscheidender Bedeutung, dass man sich mit gleichgesinnten Eltern und Betroffenen regelmäßig trifft und austauscht.
Erfahrungsgemäß würden viele Eltern das zwar gerne tun, aber trauen sich nicht, ein Treffen zu organisieren oder gar zu moderieren, vielleicht auch aufgrund schlechter Erfahrungen. Oder es fehlt das notwendige Selbstvertrauen. Darum ist zu empfehlen, gleich zu Anfang gemeinsame Regeln zu vereinbaren, wie das Gespräch ablaufen soll.
Viele Selbsthilfegruppen haben sehr gute Erfahrungen mit sogenannten Redestab-Runden gemacht: Derjenige, der gerade den Redestab – bzw. das Objekt, als also solcher fungiert – in der Hand hat, darf sprechen. Und zwar möglichst in der Ich-Form, über das eigene Erleben und ohne ins Theoretische oder Abstrakte abzugleiten.
Es muss ausdrücklich erlaubt und möglich sein, „sich auszukotzen“, also den inneren Druck, den man hat, abzulassen. Dabei, ich wiederhole mich, sollte man möglichst bei sich selbst bleiben und in der Ich-Form sprechen.
Entscheidend
Die Person, die den Redestab aktuell hat, darf von den anderen Teilnehmern nicht unterbrochen werden. Diese Regel muss vor Beginn der Runde von allen akzeptiert werden, sonst kann und wird das Treffen im Chaos landen. Es ist sehr wichtig, dass alle ausdrücklich einverstanden sind und damit auch die Einhaltung der Regel aktiv mittragen. Ich würde sogar sagen, dass die Teilnahme am Treffen von der Zustimmung zu diesen Regeln abhängig sein sollte.
Für den Fall, dass jemand zu lange redet, vielleicht auch noch konsequent „um den heißen Brei“, und dadurch der Gruppe spürbar Energie abzieht, kann zu Anfang eine maximale Redezeit ausgemacht werden. Dann muss aber ein Freiwilliger die Rolle des Zeitwächters übernehmen. Dies sollte nicht der Initiator des Treffens sein.
Die Alternative zum Zeitwächter wären vorher vereinbarte Handgesten, mit denen man Zustimmung, Skepsis oder aber den Wunsch mitteilt, jemand möge langsam zum Ende kommen (siehe dazu auch www.zirkelog.org).
Emotionen
Es ist wünschenswert, dass jeder Teilnehmer bei sich selbst bleibt und andere nicht bewertet und nicht unterbricht. Das verhindert oberflächliche Diskussionen, die sich ewig im Kreis drehen und ermöglicht, im Laufe der Runden in die Tiefe zu gehen, d. h. die eigenen Emotionen zu spüren und zuzulassen.
Und darum geht es letztlich: Zu den eigenen Emotionen zu stehen und die Erfahrung zu machen, gesehen und gehört zu werden, ohne bewertet oder gar verurteilt zu werden. Und es gilt natürlich, auch „anstrengende“ Emotionen von anderen stehen zu lassen.
Die Erfahrung, auch dann akzeptiert zu werden, wenn man sich authentisch so zeigt, wie man wirklich ist, ist von zentraler Bedeutung für den Erfolg des Treffens und die Entstehung einer konstruktiven Gruppendynamik.
Hat die Gruppe ein hohes Maß an Vertrauen untereinander aufgebaut, ermöglichst dies, Emotionen zu zeigen. Das Symbolbild dieses Artikel zeigt, wie ein Mann von Emotionen überwältigt ist und andere Teilnehmer ihm tröstend oder Empathie zeigend berühren.
Aus zwei Gründen sollten Sie in solchen Momenten sehr achtsam mit körperlichen Kontakten umgehen. Warum habe ich das Bedürfnis, einem Menschen, der seinen Schmerz zeigt, die Hand auf die Schulter zu legen? Ist es echte Empathie oder weil ich es kaum aushalte und möchte, dass die Person die Emotion wieder unterdrückt?
Falls dem nicht so ist: Könnte die Person die Berührung – oder allein schon, wenn man ihr Papiertaschentücher reicht – aufgrund ihrer Konditionierung als Aufforderung verstehen, sich wieder „zusammenzureißen“?
Zeigt ein Mensch innerhalb der Redestabrunde echte Emotionen, so kann man dies als Belastung empfinden – oder als Befreiung. Eine Belastung ist es, wenn ich versuche, meine eigenen Emotionen, die hier getriggert werden, weiterhin in Schach zu halten. Eine Befreiung ist es, wenn ich nun selbst meine unterdrückten Emotionen spüren und vielleicht auch vor anderen zeigen kann.
Ich glaube, es gibt keine allgemeingültige Regel, wie man in Selbsthilfegruppe mit Emotionen anderer umgehen soll und wie nicht. Tendenziell würde ich meinen, dass ein Gruppenmitglied, das sehr stark in seinen Emotionen ist, selbst verantwortlich ist, um Hilfe bitten sollte. Und Hilfe lehnen sollte, wenn sie alte Muster triggern.
Grundsätzlich habe ich erlebt, dass es eine Selbsthilfegruppe als Geschenk erlebt, wenn eine Person sich emotional authentisch zeigt: „Wenn Du Dich mir zeigst, wie Du wirklich bist und wie Du Dich im Hier und Jetzt wirklich fühlst, ist das für mich ein Geschenk.“ Warum ist das so? Das ist vielleicht ein gutes Thema, sich untereinander auszutauschen.
Die Dominanten und die Stillen
In jeder Gruppe gibt es ab einer bestimmten Größe auch die Dominanten und die Stillen. Wenn die Redestabrunde korrekt durchgeführt wird, fügen sich dominante Personen leichter in die Gruppendynamik ein, und die Stillen werden ermutigt, sich zu zeigen. Nicht umsonst lautet das Sprichwort: „Stille Wasser sind tief.“
Natürlich ist niemand verpflichtet, sich zu äußern, wenn man den Redestab erhält. Dieser kann auch einfach weiter gegeben werden, wenn z. B. das Vertrauen in die Gruppe noch nicht groß genug ist, um sich zu zeigen. Das kann sich dann in der zweiten oder dritten Runde oder beim nächsten Treffen ändern. Über beim übernächsten.
Unterschätze nicht die Gruppendynamik
Die Dynamik einer Redestabrunde ist nicht zu unterschätzen. Werden die Regeln konsequent eingehalten, kann sich Vertrauen aufbauen und man geht mit positiven Gefühlen nach Hause. Fühlt man sich danach eher ausgelaugt, liegt das meistens daran, dass die Regeln nicht eingehalten wurden oder eine dominante Person alle Aufmerksamkeit für sich eingefordert hat.
Der nächste Schritt
Hat man Vertrauen untereinander aufgebaut (nicht vorher!) und freut sich auf das nächste Treffen, kann man den nächsten Schritt angehen.
Dieser besteht aus Rollenspielen über den Umgang mit „Autoritätspersonen“, z. B. einem Schulleiter oder einem Amtsarzt. Denn es reicht nicht, über die Voraussetzungen einer erfolgreichen Kommunikation nur zu lesen. Man muss eine neue Art der Kommunikation auf Augenhöhe üben, üben, üben. Und das am besten noch vor dem nächsten Gesprächstermin mit dem Schulleiter, dem Gesundheitsamt etc.
Ich würde nicht empfehlen, gleich zu Anfang mit Rollenspielen zu beginnen, denn dazu ist gegenseitiges Vertrauen notwendig. Und das muss erst einmal aufgebaut werden. Aber letztlich entscheidet natürlich die Gruppe selbst, wann sie zu diesem Schritt bereit ist.
Zirkelog statt Monolog und Dialog
Wer sich mehr mit dem Thema einer erfolgreichen Gruppenkommunikation beschäftigen will, findet im Internet etliche Hinweise. Ein bewährtes System ist auch der „Zirkelog“, an dessen Entwicklung ich vor Jahren mitgewirkt habe und in den auch meine eigenen Erfahrungen mit Selbsthilfegruppe eingeflossen sind. Mehr dazu auf www.zirkelog.org. Diese Seite wird dem erfahrenen Coach Bernhard Bayer betreut.
Die 11 wichtigsten Regeln
Um den Start zu erleichtern, habe ich die 11 wichtigsten Regeln (PDF, 78 kb) auf einer Seite zusammengefasst. Im Rahmen einer ersten Einladung kann dieses Blatt an alle Eingeladenen verschickt und als Grundlage für die ersten Treffen verwendet werden.
Natürlich können diese Regeln gemeinsam für künftige Treffen verändert werden. Die entscheidende Frage ist immer: Fördert eine Regel eine Begegnung von Mensch zu Mensch? Manchmal muss man etwas ausprobieren, um dies beurteilen zu können.
In impfkritischen und systemkritischen Kreisen gibt es natürlich auch immer diejenigen, die sich an keinerlei Regeln halten wollen, weil sie sich von ihnen eingeengt fühlen. Diesen ist zu empfehlen, sich anderweitig zu vernetzen, denn das kann eine Selbsthilfegruppe sehr schnell sprengen.
„Diamant“ – Ein neues Lied von Hanning & MiKe
Zu diesem Thema würde wohl „Diamant“, eines der neuen Lieder von Hanning & MiKe passen. Die MP3-Vorabversion kann hier abgerufen werden: