Die eigene Schoßkraft
10.05.2024
Schoß:
- 1Schoß, der
- 1. Vertiefung, die beim Sitzen durch die Oberschenkel und den Unterleib gebildet wird
- [bildlich] …
- [gehoben, übertragen] Schutz, Geborgenheit
- 2. [dichterisch] Mutterleib
- [übertragen] das Innere
- 3. Teil eines Kleidungsstückes
- a) Rockschoß
- b) meist gekräuselt oder glockig an der Taille angesetzter Stoffteil bei Damenkleidung
- 1. Vertiefung, die beim Sitzen durch die Oberschenkel und den Unterleib gebildet wird
- Schoss, der
- lang gewachsener, meist junger Trieb einer Pflanze
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1Schoß · Schoßhund · Schoßkind
1Schoß m. ‘Hüftteil bestimmter Oberbekleidungsstücke’ (vgl. Rockschoß), ‘Mitte des Leibes’, zumal die ‘beim Sitzen zwischen Oberschenkeln und Unterleib entstehende Nische’ ahd. scōʒ m. (10. Jh.), scōʒa f. (um 800), scōʒo m. (um 1000) ‘Ecke, Kleidersaum, Leibesmitte’, mhd. schōʒ m. n., schōʒ(e) f., auch ‘vom Leib niedergehender gefalteter Teil des Kleides, den Schoß deckender Teil der Rüstung’, mnd. schōt m., schōte m. f., mnl. scoot m., nl. schoot ‘Rockschoß, Kleidersaum, Leibesmitte, Meerbusen’, afries. scāt, aengl. scēat m. ‘Ecke, Zipfel, Vorgebirge, Leibesmitte’, anord. skaut n. ‘Ecke, Zipfel, Leibesmitte, Kopftuch’, schwed. sköte, got. skaut (n.?) ‘Saum (des Kleides)’ sind wohl mit Ablaut zu dem unter schießen (s. d.) behandelten Verb gebildet. Auszugehen ist dabei von germ. *skauta- mit einer Bedeutung (vgl. ahd. thrīscōʒ(i), um 1000, aengl. þriskyte, anord. þrīskeyta ‘dreieckig’) ‘Hervorschießendes, -springendes, Spitzes, Ecke, Winkel’, die in ‘Gewand, Zipfel, unterer faltenreicher Teil eines den Unterleib bedeckenden Kleidungsstückes’ übergeht. Von daher erfolgt die Übertragung auf die durch Oberschenkel und Unterleib gebildete ‘Körpermitte’. So erhält Schoß auch den Sinn von ‘Mutterleib’ und wird zum bildhaften Ausdruck für einen ‘sicheren, geschützten Ort’ wie auch für einen ‘Ort des Werdens, des Entstehens’, vgl. der Mutter Schoß, der Schoß Gottes, in Abrahams Schoß, Schoß der Erde, Schoß der Nacht, Schoß der Natur, Schoß der Familie. Das maskuline Genus mit starker Flexion setzt sich erst im 19. Jh. endgültig durch.
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Schoßhund m. ‘kleiner Hund, der sich auf den Schoß nehmen läßt’ (16. Jh.).
Schoßkind n. ‘kleines, jüngstes Kind’, auch ‘Lieblingskind, Hätschelkind’ (17. Jh.).
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2Schoß · Schößling
2Schoß m. ‘junger, aufgeschossener Trieb’, ahd. scoʒʒa f. (Hs. 13. Jh.), erdscoʒʒa (10. Jh.), mhd. schoʒ n. ‘Schößling’ stehen im Ablaut zu dem unter schießen (s. d.) abgehandelten Verb. Maskulines Genus wird im 16./17. Jh. üblich. Dazu die Weiterbildung Schößling m. (15. Jh.); vgl. ahd. scuʒʒiling (11. Jh.), mhd. schüʒʒelinc, schüʒlinc ‘Schößling, Reis, Sproß’.
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